Umsiedlungen Tagebau Garzweiler II
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Umsiedlungen Tagebau Garzweiler II

Einleitung

Das Festhalten an einem langfristigen Braunkohlenbedarf von etwa 110 bis 120 Mio. t pro Jahr, der im wesentlichen für die Verstromung eingesetzt werden soll, begründen aus Sicht des Landes Nordrhein-Westfalens und der RWE Power AG die Notwendigkeit, aus drei Großtagebauen im Rheinischen Revier Braunkohle zu fördern:

  • Tagebau Inden
  • Tagebau Hambach
  • Tagebau Garzweiler

Der Anschlusstagebau Garzweiler II soll ab dem Jahr 2006 die Braunkohlenförderkapazität für den auslaufenden Tagebau Garzweiler I sicherstellen.

 

Das Projekt in Zahlen

Abbaugrenze Garzweiler II

Das Abbaugebiet für den Tagebau Garzweiler II beträgt 48 qkm.

Es erstreckt sich über einen ausgesprochenen agrarischen Gunstraum - Bördenlandschaft - mit wertvollen Ackerböden. Im Abbaubereich leben 7.600 Menschen (Stand: 1992) in 13 Orten. Rund 80 Prozent der Feldesfläche liegt auf Erkelenzer Stadtgebiet.

Der Kohlevorrat beträgt 1,3 Mrd. t und reicht bei einer geplanten Förderung von 40 Mio. t p. a. bis 2044. Die Kohleflöze in diesem Feld sind insgesamt rund 30 m stark. Sie liegen in einer Tiefe von bis zu 210 m unter Gelände. Über der Kohle liegen 6,5 Mrd. cbm Erdmassen, die vor der Förderung der Rohbraunkohle abgetragen werden müssen.

Die Erdmassen werden zuerst für die Verfüllung und Rekultivierung des Tagebaus Garzweiler I verwendet, anschließend für Garzweiler II. Es verbleibt somit infolge des Massendefizits ein Restloch von 28 qkm. Das Verhältnis Abraum zu Kohle beträgt 5 : 1. Der geplante Abbauzeitraum reicht von 2006 - 2045.

 

Abbaustände

Abbaustaende Garzweiler II

Garzweiler II entwickelt sich aus dem laufenden Betrieb von Garzweiler I heraus.

Mit der Fortsetzung des Abbaus in das Gebiet Garzweiler II im Jahre 2006 wurde die Autobahn 44 unterbrochen. Der Verkehr weicht auf die Autobahn 61 (Jackerath - Wanlo) und die Autobahn 46 (Wanlo - Holz) aus.

Um das Jahr 2017 erreicht der Tagebau die A 61. Gleichzeitig muss auf der Kippenseite eine Ersatzautobahntrasse zur Verfügung stehen, um hierüber den Verkehr der beiden Autobahnen A 44 und A 61 zu leiten. Nach einer Drehpunktverlagerung in den Bereich östlich von Holzweiler um 2020, wird der Tagebau weiter aufgeschwenkt und etwa 2044 an seiner südlichen Abbaugrenze angelangt sein.

 

Rekultivierung

Wiedernutzbarmachung Garzweiler II

Während eine 20 - 25 qkm offene Tagebaugrube von Osten nach Westen "wandert", verfüllen Absetzer den ausgekohlten Tagebau mit den Abraummassen des Deckgebirges.

Das Wiedernutzbarmachungskonzept sieht Folgendes vor: Der östliche Teil des Abbaufeldes wird nach und nach überwiegend landwirtschaftlich rekultiviert. Die nördlichen und südlichen Ackerflächen werden dabei durch eine Talmulde, das Köhmtal, gegliedert. Im westlichen Teil ist vorgesehen, das verbleibende Restloch als Restsee zu rekultivieren. Die den See umgebenen Kippenböschungen und der Abfluss des Sees in die Niers sollen standortgerecht bewaldet werden.

Der See wird in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert sein. In erster Linie ist seine Größe und Tiefe zu nennen. Der See wird eine Seefläche von 23 qkm, eine maximale Tiefe von 185 m und ein Wasservolumen von 2.000 Mio. cbm haben.

Die Auffüllzeit des Restsees mit Grund- und Rheinwasser soll 40 Jahre dauern, d. h. 2085 abgeschlossen sein.

 

Probleme

Braunkohlentagebaue bewirken generell starke Raumbelastungen. Das Vorhaben Garzweiler II wird gravierende und weit reichende Folgen für die Kulturlandschaft und den Naturhaushalt verursachen, was zwangsläufig zu großen Zielkonflikten in der Region führt. Zudem wird bei keinem anderen Brennstoff bei der Stromerzeugung soviel klimaschädliches Kohlendioxid frei wie bei der Braunkohle. Neben den Eingriffen in den Naturhaushalt ist es vor allem die Umsiedlung von Dörfern, die die Menschen besonders bewegt. Der Tagebau Garzweiler II steht deshalb seit langem im Mittelpunkt einer kontrovers geführten Diskussion.

Die Stadt Erkelenz hat alle rechtlichen Möglichkeiten zur Verhinderung des Tagebauprojektes Garzweiler II ausgenutzt. Leider ohne Erfolg: Nach Genehmigung des Braunkohlenplanes Garzweiler II am 31.03.1995 hat die Stadt Erkelenz vor dem Verfassungsgerichtshof für das Land Nordrhein-Westfalen eine Kommunalverfassungsbeschwerde erhoben. Die Verfassungsbeschwerde wurde mit Urteil vom 09.06.1997 zurückgewiesen. Anschließend hat die Stadt gegen den Braunkohlenplan Garzweiler II eine Feststellungsklage beim Verwaltungsgericht Aachen erhoben. Die Klage wurde im Juni 1999 als unzulässig abgewiesen. Ebenfalls wurde die von der Stadt Erkelenz gegen die Zulassung des Rahmenbetriebsplanes für den Tagebau Garzweiler I/II erhobene verwaltungsgerichtliche Klage im Dezember 2001 als unbegründet abgewiesen.