Heimatverein der Erkelenzer Lande e.V.

Der Heimatgedanke im Wandel eines Jahrhunderts

Zum Jahrtausendwechsel feierte der Heimatverein sein 80-jähriges Bestehen
und blickte damit zurück auf 80 Jahre Entwicklung in Zeiten größter
kultureller, wirtschaftlicher und politischer Umbrüche.
Die Vereinsgeschichte spiegelt die gesellschaftliche Entwicklung
eines ganzen Jahrhunderts wieder.

1920 unter dem programmatischen Namen
"Geschichts- und Altertumsverein" gegründet, leistete dieser erste Verein
Großartiges bei der Erforschung und Darstellung der Erkelenzer Historie.
Zum Stadtjubiläum 1926 erschien das Buch "Geschichte der Stadt Erkelenz",
das die Ergebnisse in mitreißender Form wiedergab.

Geschichte der Stadt Erkelenz
"Geschichte"


Identität aus der Historie

Für die im 20. Jahrhundert wirtschaftlich neu aufblühende Kreisstadt
bedeutete dieses heimatkundliche Werk einen außerordentlichen
Zuwachs an Bekanntheit und Interesse weit über die Grenzen
des damaligen Kreises Erkelenz hinweg. Vor allem ließ diese Vereinsarbeit,
die man heute modern als "Image-Bildung" bezeichnen würde,
im Bewusstsein der Bürger ein beeindruckendes Bild des
historischen Handelsortes Erkelenz und seiner Vermittlerrolle
zwischen der maas- und rheinländischen Kultur entstehen.

Burg Erkelenz - Treppenaufgang im Innenhof
"Burg"

Nicht selten liest man zwischen den Zeilen etwas heraus von dem
Stolz der Bürger auf die Besonderheit ihrer Insellage und der
politischen Anbindung an das Herzogtum Geldern in der
frühen Blütezeit der Stadt. Genau das war der Stoff, aus dem das
"Wir-Gefühl", das Selbstbewusstsein, die Heimatverehrung und
der unbefangene Stolz der Bürger auf das Vererbte ihre Kraft nahmen.
Der Eindruck dieser Besonderheit blieb auch in den Zeiten erhalten,
als Staats- und Verwaltungsgrenzen schon längst nicht mehr
den alten Verhältnissen entsprachen und Erkelenz selbst den
Zentralisierungsprozess zur Kreisstadt durchlaufen hatte.
Ob zum niederländischen, französischen oder preussischen
Territorium gehörend, immer hatten die Menschen sich hier ihr
ganz besonders geprägtes Stück Heimat erhalten.


Der Bruch in der Geschichte

Das Alte Rathaus
"Rathaus"

Wie anfällig dieser Heimatbegriff gegen Einflüsse von außen war,
zeigte sich in den späten 1930er Jahren. Der sich im Kreisgebiet
breitmachende National-Sozialismus versuchte auch hier,
die starken Triebkräfte der Heimatliebe in engstirnigen Nationalstolz
umzumünzen und für seine Ideologie einzuspannen.
Langjährige und verdiente Vereinsmitglieder
mussten Ihre Mitarbeit beenden, für das 1922 auf Vereinsinitiative
begründete Stadtmuseum im Alten Rathaus wurde ein neuer
Vorstand eingesetzt, der von nun an auch die ideologische
Richtung der Museums-Ausstellungen bestimmte. Der
katastrophale Höhepunkt dieser Entwicklung war 1939 der Ausbruch
des Krieges, der 1945 für Erkelenz mit der fast totalen Zerstörung der Stadt endete.

1948 - Ein Neubeginn

Nach 1945 war zunächst einmal das Aufräumen - vor allem in den Köpfen -
angesagt. Der Neuanfang des Vereins 1948 stand ganz im Zeichen
des Wiederaufbaus. Es galt, die wertvollen Baudenkmäler zu erhalten
bzw. wiederherzustellen, die der Krieg fast vollständig zerstört hatte.
So ist der Erhalt des Alten Rathauses und des Turms von
St. Lambertus den Vereinsinitiativen zu verdanken. In dieser Zeit
einer gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Erneuerung
galt es aber auch, denen Heimat und Halt zu geben,
die Haus und Besitz anderswo verloren hatten und nun
in Erkelenz und Umgebung neuen Wohnraum gefunden hatten.
Der Wirkungskreis des Vereins, der sich schon vor dem
Krieg auch auf das Kreisgebiet erstreckt hatte,
sollte nun auch im Vereinsnamen zum Ausdruck kommen.
Eingetragen wurde der "Heimatverein der Erkelenzer Lande e.V."

Am besten dokumentiert die Reihe von Heimatkalendern in den folgenden
30 Jahren die Themenvielfalt und die Wirkungsgebiete der Vereinsarbeit:
Natur-, Landschafts- und Denkmalschutz, Landes- und Stadtgeschichte,
naturkundliche und erdgeschichtliche Abhandlungen, Volkskunde,
Mundart und Musik, Gebräuche und Sitten - kurz alles,
was dazu geeignet ist, Heimat zu beschreiben, zu erhalten und zu gestalten.

Pfarrkirche St. Lambertus
"St. Lambertus"

1980 - Ausrichtung für die Zukunft

Erst als mit der kommunalen Neugliederung 1972 Erkelenz den Status
der Kreisstadt verlor, drohte dieser langjährigen Erfolgsserie ein vorläufiges Aus.
Als hätte der Verein mit dem bisherigen Landkreis Erkelenz die Plattform
für die weitere Tätigkeit verloren, ruhten alle Aktivitäten.
Eine Neuorientierung begann. Langjährige Mitglieder widmeten ihr weiteres Schaffen
den Vereinen und Publikationen des neu geschaffenen Kreises Heinsberg.
Für den Erkelenzer Verein gab es eine achtjährige Schaffenspause -
Zeit zur Besinnung auf neue Aufgaben.
1980 setzte sich die Vitalität einer guten Idee durch.
Altmitglieder und Vertreter von Rat und Verwaltung der Stadt
vereinbarten einen Fortbestand des Heimatvereins. Nach ihrem Willen
sollte dieser wieder zur tragenden Säule des kulturellen Lebens
der Erkelenzer Lande werden. Was mit dieser weitgefassten Zielerklärung
gemeint war, zeigte sich in den darauffolgenden zwei Jahrzehnten:
Der Heimatverein wirkte als Ausrichter der verschiedensten
kulturellen Aktivitäten wie auch als beratendes Gremium für
die Belange des Wohnumfeldes, des Landschafts-,
Natur- und Denkmalschutzes für Erkelenz und seine Umgebung.


Der erweitere Horizont

Natürlich ist dabei das Gruppenerlebnis nie zu kurz gekommen.
Städte- und Museumsfahrten, Wandertouren - auch über die Landesgrenzen hinweg -
sorgten dafür, dass der Blick über den heimatlichen "Tellerrand" die Kultur
unserer Nachbarn in einem zusammenwachsenden Europa erlebbar machte
und für neue Eindrücke und Anregungen sorgte.
Anregungen, die leicht wieder für eigene Belange umgesetztund genutzt werden konnten!

Mitglieder des Heimatvereins vor dem Aachener Rathaus
"Aachen"

Die Zukunft hat begonnen

So wie sich der Heimatbegriff im Laufe der Zeit immer ein
wenig abwandelt, so sind auch Zielsetzung und Interessen des Vereins
in einem ständigen Prozess begriffen. Mit über 700 Mitgliedern und
vielen aktiven Arbeitskreisen sehen wir eine Momentaufnahme.
Die kann und soll auch weiterhin - im Rahmen der Vereinsziele -
mit möglichst vielen verschiedenen Initiativen belebt und erweitert werden.
Vor allem junge Leute können hier gegen den allgemeinen Trend
einer Spaß- und Konsumgesellschaft anspruchsvolle und befriedigende
Aufgaben finden. So steht den Mitgliedern z.B. für heimatkundliche
Forschungen eine stattliche vereinseigene Bibliothek mit über
2000 sachbezogenen Büchern zur Verfügung.

Nach so vielen wichtigen Aufgaben und Arbeiten sollte eines der
schönsten Vereinsziele nicht unerwähnt bleiben: Über das laufende Jahr
verteilt organisiert der Heimatverein Exkursionen, Städtefahren,
Museumsbesuche, Besichtigungen und Wanderungen unter
heimatkundlichen, städtebaulichen, kunsthistorischen, geschichtlichen
oder naturkundlichen Aspekten. Viele Veranstaltungen werden
begleitet von fachlich qualifizierten Mitarbeitern oder Mitglieder.
Kultur und Geselligkeit verbinden sich bei diesen Gelegenheiten
aufs Angenehmste. Zusammen mit den vielen Vortragsveranstaltungen
bietet das Gesamtprogramm ohne trockene Vereinsmalerei fast für
jede Mentalität sinnvolle und vergnügliche Freizeitaktivität.
Text und Fotos: W. Wortmann

                                                  

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