9. November: Erkelenz erinnert sich

Seit zwei Jahren ist der jüdische Friedhof in Schwanenberg mit in die Gedenkfeierlichkeiten anlässlich der Reichspogromnacht am 9. November 1938 einbezogen. Er ist auch in diesem Jahr die erste Station für Bürgermeister Stephan Muckel, der dort um 11 Uhr gemeinsam mit Pfarrer Robin Banerjee einen Kranz niederlegen wird.

Treffpunkt auf dem Markt

Anschließend laden der Bürgermeister und die weiterführenden Schulen zur großen Gedenkfeier in Erkelenz ein. Treffpunkt ist um 16 Uhr auf dem Markt. Nach einer musikalischen Einstimmung werden Schüler und Schülerinnen der Europaschule ihre Gedanken zum Antisemitismus vortragen. Eine Schülergruppe der Gemeinschaftshauptschule widmet sich der Frage: „Besuch in Auschwitz: was bleibt?“ Von da aus führt der Weg zu zwei Stationen (Ecke Aachener Straße/ Tenholter Straße und Kölner Straße 46), wo mit eindringlichen Texten an jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger erinnert wird.  Den Abschluss bildet das musikalische und lyrische Gedenken und eine Kerzenaktion auf dem Jüdischen Friedhof an der Neusser Straße. Dort legen der Bürgermeister und die Antisemitismusbeauftragte, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, einen Kranz nieder.

Die Gemeinschaftshauptschule organisiert bereits seit vielen Jahren diese Erinnerung auf dem jüdischen Friedhof an der Neusser Straße. Zum zweiten Mal beteiligen sich auch das Cusanus Gymnasium, das Cornelius-Burgh-Gymnasium und die Europaschule mit Beiträgen zu Ehren der jüdischen Mitbürger und Mitbürgerinnen, die in der Reichspogromnacht vor 84 Jahren zu Opfern eines menschenverachtenden Regimes wurden. Der Heimatverein der Erkelenzer Lande unterstützt und begleitet die Feier.

Männliche Besucher der beiden Friedhöfe werden gebeten, eine Kopfbedeckung zu tragen.

Um 20 Uhr besucht Sabine Leutheusser-Schnarrenberger als Schirmherrin die Theateraufführung „Zeitspiel – Das Mädchenorchester von Auschwitz“.  „Zeitspiel – Das Mädchenorchester von Auschwitz“ nach Arthur Miller und Fania Fénelon wird von Kulturmanager Sascha Dücker inszeniert und gilt als unspielbar, weil es ein großes Ensembel benötigt, das mindestens 25 junge Frauen umfasst. „Es zeigt Frauen, die sich gegenseitig nichts gegönnt haben, aber nach außen sehr solidarisch waren. Wer im Orchester war hatte eine Chance zu überleben und es wurden Frauen mit durchgezogen, die eigentlich gar nichts konnten“, fasst Dücker zusammen. „Das Stück ist nicht nur düster, sondern zeigt, dass in den Konzentrationslagern auch gelacht und geliebt wurde.“ Hierzu gibt es noch Tickets bei der Kultur GmbH. (www.stadthalle-erkelenz.de).

Dücker hat einen weiteren Hingucker geplant, der vielen unter die Haut gehen wird: Vor der Stadthalle wird einer der Wagons aufgestellt, mit denen die Menschen damals nach Auschwitz transportiert wurden. „Wer sich das Stück anschaut, kann durch den Wagon in die Stadthalle kommen und dadurch besser nachempfinden, wie sich die Menschen damals gefühlt haben müssen.“ Der Wagon kommt aus dem Eisenbahnmusuem in Köln und kann dank eines Sponsors für den Transport für ein paar Tage nach Erkelenz geholt werden. Natürlich ist es auch möglich, an ihm vorbei in die Halle zu gelangen.

Das komplette Tagesprogramm

 

11.00 Uhr    Kranzniederlegung und Gebet

                        auf dem Jüdischen Friedhof Schwanenberg (In Lentholt)

16.00 Uhr    Gedenkveranstaltung unter Mitwirkung der weiterführenden Schulen

                         Beginn auf dem Markt, anschl. Fußweg zu diversen Stationen

 16.45 Uhr    (ca.) Abschluss auf dem Jüdischen Friedhof, Neusser Straße  

                         Kranzniederlegungen/ Ansprachen, musikalisches und lyrisches Gedenken

20.00 Uhr    Theateraufführung „Zeitspiel – Das Mädchenorchester von Auschwitz“

                         Stadthalle

Die Kultur GmbH verweist außerdem auf die Otto-Pankok-Ausstellung, die an allen Wochenenden im November im Haus Spieß besucht werden kann. Otto Pankok gelte als „entarteter Künstler“, weil er die Minderheiten seines Zeitalters dargestellt habe, und habe im Krieg Ausstellungsverbot gehabt. Die Ausstellung „Die Kunst umfasst alles“ zeigt an den Samstagen von 15 bis 18 Uhr und an den Sonntagen von 11 bis 18 Uhr einen Querschnitt durch sein Lebenswerk bei freiem Eintritt. Auf beiden Etagen des Hauses Spieß sind Gemälde, Kohlezeichnungen und Holzschnitte zu sehen.