Dorfentwicklung am Tagebaurand

Allgemein

Grundsätzlich handelt es sich bei den Tagebauranddörfern von Venrath und Kaulhausen über Kückhoven bis Holzweiler um ländliche Siedlungen mit einer älter werdenden Bevölkerung, mit Herausforderungen im Bereich Versorgung und Mobilität, mit Potentialen im Bereich der Gebäude- und Grundstücksnutzung sowie aktiven Vereinen und Nachbarschaften. Dazu wird jedoch im Zuge des fortschreitenden Braunkohlentagebaus und dessen Ende eine neue Situation hinzukommen:

Die Landschaft und das Umfeld der Dörfer verändern sich in einer Dynamik, wie es nur im unmittelbaren Umfeld von Tagebauen geschieht. Verkehrsverbindungen entfallen und müssen neu geplant und gebaut werden, Flächen und Felder werden neu geordnet und die Beziehungen zu den durch Umsiedlung betroffenen Orten werden sich ebenfalls verändern und neu sortieren müssen. Zusätzlich besteht die Sorge, dass der heranrückende Tagebau auch Belastungen wie Staub und Lärm mit sich bringt.

Die Stadt Erkelenz fordert seit Jahrzehnten (insbesondere seit dem ersten Braunkohlenplan Garzweiler II), dass eine Betrachtung des Tagebaurandes nicht außen vor gelassen werden darf. Das Bergrecht definiert nicht den Tagbaurand und verpflichtet den Bergbautreibenden nicht zu Maßnahmen, die über den Sicherheitsbereich hinausgehen. Daher hat die Stadt Erkelenz sich einerseits bemüht, die RWE Power AG zur Kooperation in diesem Bereich zu bewegen. Andererseits werden Fördergelder zur Entwicklung des ländlichen Raums herangezogen.

Die Stadt Erkelenz hat für Venrath/ Kaulhausen sowie für Holzweiler eine Förderung zur Erstellung eines sogenannten Dorfinnenentwicklungskonzeptes (DIEK) bekommen. Übergeordnetes Ziel eines solchen Konzeptes ist eine langfristig angelegte Gesamtstrategie zur nachhaltigen Weiterentwicklung und dem Erhalt des dörflichen Gefüges vor dem Hintergrund des heranrückenden Tagebaus sowie den Lebensumständen im ländlichen Raum. Nach einer Bearbeitungszeit von ca. einem Jahr, unter Beteiligung eines Planungsbüros und der Bevölkerung, ist das Konzept in der Regel erstellt und wird vom Rat als Grundlage für weitere Planungen beschlossen. Anschließend wird mit konkreten Maßnahmen zur Umsetzung der erarbeiteten Projekte und Ideen begonnen werden. Diese Umsetzungsphase wird dann erneut durch Mittel des Landes NRW gefördert

 

Venrath/ Kaulhausen

Im September 2016 konnte zusammen mit dem Büro Raumplan aus Aachen mit der Erarbeitung des DIEK begonnen werden. Unter reger Beteiligung der Bevölkerung sowie in Zusammenarbeit mit dem von der Stadt Erkelenz beauftragten Planungsteam um Prof. Rolf Westerheide und Uli Wildschütz (RaumPlan, Aachen), wurde in zahlreichen Arbeitsgruppensitzungen sowie in drei großen öffentlichen Veranstaltungen ein umfangreiches Dorfinnenentwicklungskonzept erarbeitet.

Zu verschiedenen Handlungsfeldern wurden Projektideen entwickelt, die in den kommenden Jahren geprüft und umgesetzt werden sollen. Die Reichweite der Projektideen geht von der Umnutzung einer Wiesenfläche in Kaulhausen zu einem Treffpunkt für Jung und Alt bis hin zu Überlegungen für ein neues Bürgerhaus als modernen Veranstaltungsraum für die zahlreichen Vereine. Die Gestaltung des zukünftigen Tagebaurandes und die Verbesserung des Fuß- und Radwegenetzes sowie die Gestaltung der Dorfplätze sind ebenfalls im Konzept beschrieben. Schließlich hat der Rat der Stadt Erkelenz am 28.02.2018 das Dorfinnenentwicklungskonzept als Grundlage für weitere Planungen und Maßnahmen einstimmig beschlossen. Seitdem wird an unterschiedlichen Projekten gearbeitet. Die Umsetzung der Bürgerwiese in Kaulhausen wurde zudem durch Fördermittel aus dem NRW-Programm „Ländlicher Raum“ unterstützt.

 

Holzweiler

Die Stadt Erkelenz hatte am 23.06.2017 in den Saal Boss in Holzweiler eingeladen, um gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern den Dorfentwicklungsprozess zu starten und für eine intensive Mitarbeit an der Erstellung des Dorfinnenentwicklungskonzepts (DIEK) zu werben. In Zusammenarbeit mit dem erfahrenen Planerteam unter Leitung von Prof. Rolf Westerheide (RWTH Aachen) und Uli Wildschütz vom Büro RaumPlan in Aachen möchte die Stadt Erkelenz zusammen mit den Holzweilern das DIEK erstellen. Ziel ist es, die gewachsenen Strukturen und charakteristischen Eigenarten von Holzweiler langfristig zu erhalten und gleichzeitig eine nachhaltige Entwicklung anzustreben, die den Ort stabilisiert und als attraktiven und zukunftssicheren Lebensraum gestaltet.

Das von der Stadt Erkelenz beauftragte Planungsteam um Prof. Rolf Westerheide und Uli Wildschütz stellten am 16.10.2018 das zusammen mit Bürgerinnen und Bürgern in einer eineinhalbjährigen Arbeitsphase entstandene Konzept im Saal Boss der Öffentlichkeit vor. Zu verschiedenen Handlungsfeldern wurden Projektideen entwickelt, die in den kommenden Jahren geprüft und umgesetzt werden sollen. Die Reichweite der Projektideen geht von der Umgestaltung der zentralen Grünfläche über die Sanierung der alten Schule bis zur Gründung eines Dorfladens. Die Mitte des Ortes soll zukünftig gestärkt werden und eine neue Rolle als Begegnungs- und Kommunikationsraum erhalten.

Die Stadt Erkelenz hat im Dezember 2018 einen Ratsbeschluss zu dem Konzept gefasst. Auch in Holzweiler wird an einigen Projekten gearbeitet. So hat sich der durch Eigeninitiative der Bürger entstandene  Freitagsmarkt vor der alten Schule etabliert und im Januar 2020 sein einjähriges Jubiläum gefeiert. Weiterhin wurde seitens der Stadt 2019 ein Förderantrag zur Sanierung der alten Schule gestellt, um das ortsbildprägende Gebäude zu modernisieren und zu einer Begegnungsstätte für Vereine und Interessengruppen umzugestalten.

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