„In Erkelenz gib es eine sehr lebendige Gedenk-Kultur, an der sich seit vielen Jahren unter anderem die weiterführenden Schulen, der Heimatverein, die Kirchengemeinden, verschiedene Chöre sowie die Bezirksausschüsse und viele Dorfgemeinschaften in unterschiedlicher Form beteiligen. In Zeiten, in denen Krieg und Gewaltherrschaft wieder präsenter denn je sind, spielen Erinnerung und Mahnung eine besondere Rolle. Wir freuen uns deshalb über die besondere Aufmerksamkeit für dieses Thema mit der zentralen Gedenkfeier des Landes Nordrhein-Westfalen zum Volkstrauertag in unserer Stadt“, sagt Bürgermeister Stephan Muckel im Vorfeld des Gedenktages.
In der zentralen Gedenkstunde übernahm der Vorsitzende des Landesverbandes NRW im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V., Staatsminister a.D. Thomas Kutschaty MdL, die Begrüßung der Gäste. Der Präsident des Landtags Nordrhein-Westfalen, André Kuper MdL, hielt die Gedenkrede, und Ministerin Dorothee Feller verlas als Vertreterin der Landesregierung das traditionelle Totengedenken.
Der Landesvorsitzende des Volksbundes, Thomas Kutschaty, betonte: „Am Volkstrauertag halten wir inne. Wir blicken zurück auf die Menschheitskatastrophe der Weltkriege. Wir schauen aber auch auf die gegenwärtige, unruhige und kriegerische Welt. Es ist Zeit, Verantwortung zu übernehmen für unsere europäischen Werte – für Freiheit und Frieden, für Demokratie und Menschenrechte. Dabei können wir auf unsere Stärken vertrauen.“
„Diese Welt hat seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs viele Kriege und Konflikte gesehen. Wir gedenken heute auch ihrer Opfer. Die schmerzhaften Begegnungen in Israel und in den palästinensischen Gebieten haben mich gelehrt: Wir müssen die Widersprüche und offenen Fragen aushalten, um der Hoffnung auf ein Ende der Gewalt den Weg zu bereiten. Auch dazu mahnt der Volkstrauertag. Er ist und bleibt mit unserer deutschen Geschichte in besonderer Weise verbunden. Eine unserer wichtigsten Aufgaben ist es, unsere Verantwortung zur Völkerversöhnung den jungen Menschen in unserem Land nahezubringen. Unsere Demokratie und ihre Werte sind ein Angebot der Freiheit und unser Weg, der Welt unseren Friedens- und Freiheitswillen zu bezeugen“, sagte der Präsident des Landtags, André Kuper MdL.
Ministerin Dorothee Feller: „Der Volkstrauertag mahnt uns, welches Leid Krieg, Gewalt und Diktatur über Menschen gebracht haben, und wie wichtig es ist, das nie zu vergessen. Erinnerung ist mehr als ein Rückblick – sie ist ein Dialog zwischen den Generationen. Wenn sich junge Menschen den Geschichten und Schicksalen der Vergangenheit öffnen, übernehmen sie Verantwortung für das Morgen. Sie halten das Gedenken wach und tragen Hoffnung in die Zukunft. Was wir heute in Erkelenz erleben, ist ein starkes Zeichen dafür, dass die Erinnerungskultur in Nordrhein-Westfalen lebt – und weitergetragen wird.“
Schülerinnen und Schüler des Cusanus-Gymnasiums und des Cornelius-Burgh-Gymnasiums präsentierten die Gedenk- und Erinnerungskultur in den Schulen und in der Stadt Erkelenz. Eine szenische Lesung aus Feldpostbriefen des Erkelenzers Anton Roggen aus dem Ersten Weltkrieg zeigte eindrucksvoll, was Krieg für den Einzelnen bedeutet hat und wie weit Propaganda und Realität voneinander entfernt sind. Die musikalischen Beiträge leisteten Musikerinnen und Musiker aus Erkelenz (Leitung: Josef Paczyna) sowie der Kantor Stefan Emanuel Knauer an der Orgel; das geistliche Abschlusswort hielten Pfarrer Dr. Roland Scheulen und Pfarrer Günter Jendges.
Die zentrale Gedenkstunde war eine öffentliche Veranstaltung. Sie findet jedes JAhr am Vortag des Volkstrauertages in einer anderen Kommune in Nordrhein-Westfalen statt. Zahlreiche Menschen aus Erkelenz und dem Kreis Heinsberg haben daran teilgenommen.
Hintergrund
Der Volkstrauertag wurde als Gedenktag für die Toten des Ersten Weltkriegs ins Leben gerufen. Die erste offizielle Gedenkfeier fand 1922, vor mehr als 100 Jahren, im Reichstag in Berlin statt. Die Nationalsozialisten benannten den Tag in „Heldengedenktag“ um und stellten ihn in den Dienst ihrer kriegsverherrlichenden Propaganda. Seit 1945 wird am Volkstrauertag neben den gefallenen Soldaten auch der zivilen Opfer des Krieges gedacht, die in den besetzten Ländern und in Deutschland zu Opfern von Krieg und Gewalt geworden waren. Hierzu zählen ausdrücklich auch Menschen, die aus politischen, religiösen und rassistischen oder anderen Gründen verfolgt und ermordet worden sind.
Heute ist der Volkstrauertag allen Toten von Krieg, Gewalt und Terror gewidmet und dient zugleich der Mahnung zu Versöhnung, Verständigung und Frieden. Der diesjährige Volkstrauertag stand besonders unter dem Eindruck des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine und des Kriegs im Nahen Osten.
Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. wurde 1919 gegründet. Er kümmerte sich zunächst um die Gräber der deutschen Kriegstoten des Ersten Weltkrieges im europäischen Ausland, ab 1946 auch um die Kriegsgräber des Zweiten Weltkrieges. Auf seine Anregung hin wurde der Volkstrauertag wieder eingeführt. Heute pflegt der Volksbund mehr als 800 Kriegsgräberstätten mit über 2,8 Millionen Gräbern in 45 Staaten.


