Umsiedlung offiziell beendet

Rund zehn Jahre befanden sich Menschen, Dorfgemeinschaften und Vereine auf dem Weg, ihre Heimatorte zu verlassen und an einem neuen Standort ihr Leben wiederaufzubauen. Keyenberg, Kuckum, Oberwestrich, Unterwestrich und Berverath sollten dem Tagebau Garzweiler II weichen, 1995 war der Braunkohlenplan durch die Landesregierung beschlossen worden.
Im Dezember 2016 begann die zeitgleiche Umsiedlung an die neuen Standorte im Norden des Erkelenzer Stadtgebietes.
Vor vier Jahren, am 4. Oktober 2022, verständigten sich die Bundes- und Landesregierung sowie RWE auf den vorgezogenen Kohleausstieg 2030. Dies war die Grundlage dafür, dass das geplante und genehmigte Abbaugebiet des Tagebau Garzweiler II erneut verkleinert wurde. Viele Quadratkilometer des Erkelenzer Stadtgebietes, darunter auch die Orte, die sich noch im Umsiedlungsprozess befanden, bleiben nun erhalten.

Während des Abschlussfestes wurde an den gemeinsamen Weg und das Entstehen der neuen Lebensorte erinnert, das Ankommen gefeiert und die Zukunft der alten Orte in einer neu entstehenden Landschaft skizziert.
Das gemeinsame Fest begann mit einem Wortgottesdienst in der Kapelle St. Petrus in Keyenberg, die am 19. Juni 2022 eingeweiht wurde. Der darauffolgende Festakt fand in der Mehrzweckhalle in Keyenberg statt, die zu Beginn des Jahres 2024 den Dorfgemeinschaften und den Vereinen übergeben worden ist.

Vertretungen der Landesregierung, der RWE, der Stadt Erkelenz sowie der Dorfgemeinschaften beim Abschlussfest in Keyenberg, unter anderem Ministerin Ina Scharrenbach (4.v.r.), Anges Maibaum (3.v.r.) und Beate Zurmahr (5.v.r.) von den Dorfgemeinschaften, RWE-Vorstandsmitglied Thomas Körber (4.v.r.) und der Erkelenzer Bürgermeister Stephan Muckel (3.v.l.).

Ina Scharrenbach, Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen, besuchte das Abschlussfest und richtete sich persönlich an die umgesiedelten Menschen. Ina Scharrenbach, Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen: „Was die Menschen aus Keyenberg, Kuckum, Oberwestrich, Unterwestrich und Berverath in den vergangenen zehn Jahren geleistet haben, verdient Respekt und Anerkennung: Sie haben ihre Heimatorte verlassen müssen und sich zugleich neue Heimat geschaffen. Denn Heimat ist mehr als ein Ort auf der Landkarte. Heimat, das sind Nachbarschaften, Vereine, Traditionen – und der Wille, füreinander einzustehen. Diesen Willen haben die Dorfgemeinschaften eindrucksvoll bewiesen. Projekte wie die Entwicklung von Morschenich-Alt zum Zukunftsdorf Bürgewald, die Umwandlung des Kraftwerks Frimmersdorf zum Innovationsstandort oder die Aufwertung von zahlreichen Dorfzentren durch nachhaltige Lösungen für den öffentlichen Raum stehen exemplarisch dafür, wie wir das Rheinische Revier zukunftsfest machen. So gelingt der Wandel von der Braunkohle zur Boom-Region“, sagte Ministerin Scharrenbach.
Der Erkelenzer Bürgermeister Stephan Muckel stellte den Zusammenhalt und die Gemeinschaften der Menschen in den Mittelpunkt. „Heimat entsteht dort, wo Menschen füreinander da sind“, betonte er. „Man kann einen Ort verlegen, wenn die Gemeinschaft am neuen Ort fortbesteht.“ Der offizielle Abschluss der Umsiedlung werde zwar mit dem Fest gefeiert. „Aber wir wissen auch: Ankommen hat kein Datum. Ankommen ist ein Prozess.“
Auch Thomas Körber, Vorstandsmitglied der RWE Power AG, wandte sich an die Bürgerschaft.  „Mein besonderer Respekt gilt allen Bürgerinnen und Bürgern, den Vereinen, den Dorfgemeinschaften und der Kirchengemeinde. Danke an alle, die ihre Freizeit und ihr Herzblut einsetzen, um das rege Dorf- und Vereinsleben zu bewahren.“
Agnes Maibaum von der Dorfgemeinschaft Keyenberg, Westrich und Berverath sowie Beate Zurmahr von der Dorfgemeinschaft Kuckum richteten sich in einer gemeinsamen Rede, in der sie von den Herausforderungen der vergangenen Jahre und dem Zusammenwachsen als Gemeinschaft berichteten, an ihre Mitmenschen.
Nach Ende des offiziellen Festaktes sorgte die überregional bekannte Erkelenzer Band Hätzblatt für einen stimmungsvollen Abend.

Rund 980 Personen leben nun an den umgesiedelten Standorten, zu Beginn der Umsiedlung wohnten etwa 1600 Menschen in den fünf Dörfern. Die alten Orte nun gemeinsam mit den Verbliebenen sowie mit einer neuen Bewohnerschaft wieder mit Leben und Gemeinschaft zu füllen, ist Bestandteil verschiedener, auf mehrere Jahre und Jahrzehnte angelegte Projekte.